Lieber Herr Stancke, Bergman Clinics betreibt in Deutschland inzwischen über 20 Standorte. Was unterscheidet Ihre Strategie im deutschen Markt von der in den Niederlanden oder Skandinavien?
Deutschland ist ein deutlich fragmentierterer und stärker regulierter Markt als die Niederlande oder Skandinavien. Unsere Strategie ist daher stärker partnerschaftlich geprägt: Wir setzen auf den gezielten Aufbau eines Netzwerks aus exzellenten, lokal etablierten Praxen und Kliniken und kombinieren diese mit einer klaren Plattformstruktur. Während in anderen Ländern Standardisierung stärker im Vordergrund steht, liegt unser Fokus in Deutschland darauf, unternehmerische Freiheit vor Ort mit zentralen Qualitäts-, Prozess- und Governance-Standards zu verbinden.
Ästhetik und Dermatologie sind zwei Ihrer vier Schwerpunkte in Deutschland. Wo sehen Sie die größten Wachstumspotenziale in der ästhetischen Medizin in den nächsten fünf Jahren?
Wir sehen Wachstum insbesondere in drei Bereichen: erstens bei minimalinvasiven Behandlungen, die zunehmend nachgefragt werden und medizinisch immer besser werden. Zweitens im Bereich ganzheitlicher, langfristiger Behandlungskonzepte, die Dermatologie, Prävention und Ästhetik verbinden – wobei Themen wie Longevity aus unserer Sicht kein kurzfristiger Trend, sondern ein nachhaltiger, langfristiger Entwicklungspfad sind. Und drittens in der konsequenten Verbesserung von Prozessen – also der Frage, wie wir hohe medizinische Qualität mit effizienteren Abläufen verbinden können, um ästhetische Leistungen für eine breitere Patientengruppe zugänglich zu machen.
Für niedergelassene Fachärzte wirkt die Konsolidierung im Markt manchmal bedrohlich. Was würden Sie einem Praxisinhaber sagen, der sich fragt, ob er Einzelkämpfer bleibt oder sich einem Netzwerk anschließt?
Ich verstehe diese Perspektive sehr gut. Entscheidend ist aus meiner Sicht die Frage: Wo kann ich mich als Arzt am besten auf meine Kernkompetenz – die Medizin – konzentrieren? Ein gutes Netzwerk nimmt administrative, regulatorische und zunehmend auch technologische Komplexität ab und schafft gleichzeitig Zugang zu Know-how, Investitionen und Austausch.
Ab einer gewissen Größe wird es zudem schwierig, als Einzelperson der Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitenden vollumfänglich gerecht zu werden – insbesondere im Hinblick auf die langfristige Sicherung des Standorts und die Entwicklungsperspektiven jedes Einzelnen.
Wichtig ist jedoch: Es muss ein partnerschaftliches Modell sein, das die Identität und unternehmerische Stärke der Praxis erhält. Diese Partnerschaft sollte auf gemeinsamen Werten basieren – in unserem Fall insbesondere Qualität, Service, Effizienz sowie Respekt und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden. Dann entsteht ein Modell, das nicht nur für die ehemaligen Eigentümer, sondern vor allem auch für die Mitarbeitenden nachhaltig Mehrwert schafft.
Hautärzte Düsseldorf bietet auch ästhetische Dermatologie und Lasertherapie an. Planen Sie, den ästhetischen Bereich an diesem Standort gezielt auszubauen?
Grundsätzlich sehen wir in Düsseldorf ein sehr hohes Potenzial im ästhetischen Bereich. Unser Ansatz ist jedoch immer, bestehende Stärken weiterzuentwickeln, anstatt sie zu überformen. Das bedeutet konkret: Wir werden den Ausbau des ästhetischen Bereichs in enger Abstimmung mit dem bestehenden Team sowie auf Basis der lokalen Expertise und Nachfrage unterstützen. Dafür stellen wir gezielt unsere Ressourcen und unser Know-how zur Verfügung, etwa im Bereich medizinischer Best Practices oder im Marketing.
Wie wichtig ist die digitale Sichtbarkeit einzelner Ärzte innerhalb eines Netzwerks wie Bergman Clinics? Setzen Sie auf die Marke Bergman oder auf den individuellen Arzt als Vertrauensperson?
Beides ist entscheidend. Gerade in Deutschland entsteht Vertrauen in der Medizin noch primär über den Arzt, insbesondere in der Ästhetik. Gleichzeitig bietet eine starke Marke – wozu auch die Marke Dermatologikum zählt, die wir bewusst weiterführen – Sicherheit und Orientierung für die Patientinnen und Patienten, insbesondere wenn Qualität und Service, wie bei uns, zu den zentralen Markenwerten gehören. Unser Ansatz ist daher klar: Wir stärken die individuelle Sichtbarkeit der Ärztinnen und Ärzte und kombinieren sie mit einer starken, unterstützenden Dachmarke.
Patientinnen und Patienten fragen sich bei Übernahmen oft: Ändert sich etwas an meiner Behandlung? Was bleibt bei Hautärzte Düsseldorf gleich, und was wird sich mittelfristig verändern?
Für die Patientinnen und Patienten bleibt das Entscheidende gleich: die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, die medizinische Qualität und das gewohnte Umfeld. Gleichzeitig investieren wir im Hintergrund in Prozesse, Infrastruktur und Organisation, um die Qualität langfristig zu sichern und weiter zu verbessern. Ziel ist es, das Bestehende zu stärken – nicht es zu verändern.
Bergman Clinics gehört zum Portfolio von Triton Partners. Wie beeinflusst ein Private-Equity-Eigentümer die medizinischen Entscheidungen an den einzelnen Standorten – oder tut er das bewusst nicht?
Medizinische Entscheidungen werden bei uns ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten getroffen. Ein Eigentümer wie Triton schafft den Rahmen für Wachstum, Investitionen und Professionalisierung, greift aber nicht in medizinische Entscheidungen ein. Diese klare Trennung ist für uns ein zentraler Grundsatz.
Wenn Sie fünf Jahre vorausblicken: Wie sieht der deutsche Markt für ästhetische Medizin 2031 aus – und welche Rolle spielt Bergman Clinics darin?
Ich erwarte ein weiteres Fortschreiten der Ambulantisierung – also eine Verlagerung von Leistungen aus dem Krankenhaus in spezialisierte ambulante Zentren – verbunden mit einer zunehmenden Professionalisierung und höheren Qualitätsstandards, die insbesondere durch die Spezialisierung einzelner Fachärztinnen und Fachärzte sowie durch Investitionen in modernere und größere ambulante Zentren erreicht werden. Gleichzeitig erwarte ich ein deutlich verbessertes Serviceangebot. Entsprechend wird auch der Anspruch der Patientinnen und Patienten weiter steigen – sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf Service und Zugänglichkeit.
Mit Bergman Clinics und unseren fachärztlichen Spezialisierungszentren setzen wir genau auf diesen sich verändernden Anspruch. Unsere Ambition ist es, auch in Deutschland als Pionier einen wesentlichen Beitrag zu einer verbesserten ambulanten Versorgung zu leisten und zu zeigen, dass man durch Spezialisierung, bessere Prozesse und Organisation sowie ein hohes Serviceversprechen einen „Privatpatientenstandard“ auch für eine breitere Patientengruppe möglich machen kann.
Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Über Bergman Clinic und Christoph Stancke
Bergman Clinics ist das größte Netzwerk von Fachkliniken für planbare und ambulante medizinische Behandlungen in Nordeuropa. Nach über 30 Jahren als Marktführer für Fachkliniken in den Niederlanden ist der Gesundheitsversorger 2020 nach Deutschland expandiert. An aktuell über 20 Standorten in Deutschland, liegt der fachliche Fokus auf den Gebieten Augenheilkunde, Dermatologie, Ästhetik und Orthopädie. Christoph Stancke, Geschäftsführer / Managing Director (CDO) von Bergman Clinics Germany, bringt umfassende Erfahrung in den Bereichen Healthcare, Mergers & Acquisitions sowie Unternehmensentwicklung mit. In unterschiedlichen Führungs- und Strategierollen – unter anderem bei AniCura und der Otto Group – hat er bereits zum Aufbau und zur Expansion internationaler Organisationen beigetragen.

