Konsolidierung im Lasermarkt: Warum Service, Schulung und Stabilität für Praxen wichtiger werden

Der Jenaer Hersteller Asclepion sieht spezialisierte Anbieter im Vorteil, obwohl das Unternehmen selbst Teil eines europäischen Konzerns ist. Der Markt für medizinische und ästhetische Lasersysteme hat in den vergangenen zwei Jahren eine Welle von Zusammenschlüssen und finanziellen Restrukturierungen erlebt. Für fachärztliche Praxen verändert das die Frage, worauf sie bei Investitionsentscheidungen achten.

Der internationale Markt für energiebasierte Aesthetik- und Medizintechnik konsolidiert sich seit Jahren spürbar. 2024 leitete die südkoreanische Private-Equity-Gesellschaft Hahn & Company den Zusammenschluss der US-Anbieter Cynosure und Lutronic zur Cynosure Lutronic, Inc. ein, eine Kombination zweier global aufgestellter Hersteller energiebasierter Aesthetiksysteme mit Vertrieb in über 130 Ländern. Nur ein Jahr später durchlief der kalifornische Hersteller Cutera ein Chapter-11-Verfahren: Im März 2025 stellte das Unternehmen einen vorbereiteten Insolvenzantrag, reduzierte dabei seine Verbindlichkeiten um rund 90 Prozent und verließ das Verfahren Anfang Mai 2025 als nicht mehr börsennotiertes, privat gehaltenes Unternehmen.

Hinzu kommt ein regulatorischer Umbruch: Mit der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung (NiSV) gelten für kosmetische und sonstige nichtmedizinische Anwendungen nichtionisierender Strahlung am Menschen besondere Betreiber- und Fachkundeanforderungen. Seit dem 1. Januar 2024 wurden die Anforderungen an den Fachkundenachweis weiter konkretisiert. Für Anbieter rücken damit Schulung, Einweisung und regulatorische Begleitung stärker in den Vordergrund.

Für diesen Beitrag haben wir mehrere in Deutschland und im DACH-Raum verankerte Hersteller um eine Einschätzung gebeten. Weitere angefragte Unternehmen haben bis Redaktionsschluss nicht oder nicht in vergleichbarer Tiefe geantwortet. Ausführlich Stellung genommen hat Thomas Unger, Director Marketing & Customer Experience bei der Asclepion Laser Technologies GmbH in Jena. Seine Aussagen geben die Perspektive eines Marktteilnehmers wieder und zeigen exemplarisch, wie ein spezialisierter Hersteller die aktuelle Dynamik liest.

Verändertes Beschaffungsverhalten in den Praxen

Aus Sicht von Asclepion hat die Marktdynamik das Investitionsverhalten der Anwender messbar verändert. Investitionsentscheidungen würden stärker hinterfragt, sagt Unger; Ärzte und Betreiber achteten zunehmend darauf, wie nachhaltig ein Anbieter in Service, Weiterentwicklung und persönlicher Betreuung aufgestellt sei und wie belastbar dessen Produkt- und Ersatzteilstrategie über viele Jahre hinweg tatsächlich ausfalle.

Unger führt die Verschiebung auch auf strategische Fehlentscheidungen mancher Wettbewerber zurück. Zahlreiche Anbieter hätten sich „vom tatsächlichen Bedarf der Anwender entfernt“ und ihren Schwerpunkt stärker auf Marketing als auf klinische Innovationen gelegt; komplexe Konzernstrukturen und interne Bürokratie hätten zudem Flexibilität und Geschwindigkeit gekostet. In der Folge, so seine Beobachtung, gewännen klar positionierte Spezialisten mit tiefer technologischer Expertise und direktem Zugang zu Anwendungsspezialisten wieder an Bedeutung.

Zwischen Ingenieurtradition und Konzernverbund

Bemerkenswert an der Asclepion-Position ist, dass das Unternehmen selbst Teil eines Konzernverbunds ist und genau diese Doppelrolle als Vorteil ausweist. Die Firmenhistorie reicht bis 1977 zurück, seit 2003 gehört Asclepion zur börsennotierten italienischen El.En.-Gruppe, in der auch der Hersteller DEKA angesiedelt ist. Den europäischen Technologieverbund, von dem Unger spricht, bildet also dieselbe Gruppenstruktur, deren Schwerfälligkeit er bei anderen kritisiert.

Unger löst diesen scheinbaren Widerspruch über die Zuordnung von Funktionen auf: Auf der einen Seite stehe eine fast 50-jährige deutsche Ingenieurtradition mit kurzen Entscheidungswegen und praxisnaher Produktentwicklung; auf der anderen Seite biete die Konzernanbindung „langfristige finanzielle und strategische Stabilität, Skaleneffekte in Entwicklung und Produktion sowie den Zugang zu komplementären Schlüsseltechnologien“. Für Kunden ergäben sich daraus Investitionssicherheit durch Produkt- und Servicekontinuität sowie konstante Ansprechpartner mit Service- und Schulungsstrukturen im deutschsprachigen Raum.

Ob diese Trennung, agiler Mittelständler hier und finanzieller Rückhalt dort, in der Praxis durchgängig trägt, wird sich an der Produkt- und Servicekontinuität über die kommenden Jahre messen lassen. Als Verkaufsargument adressiert sie jedenfalls präzise jene Sorge, die laut Unger das Beschaffungsverhalten derzeit prägt.

Schulung als Differenzierungsfeld

Ein eigenes Gewicht bekommt im Asclepion-Konzept die Aus- und Weiterbildung. Die unternehmenseigene Academy, 2008 gegründet und historisch bis 1995 zurückreichend, führt die nach TROS Laserstrahlung geforderten Laserschutzkurse durch und bietet darüber hinaus modulare Formate von Basis- bis Expert-Niveau an. Diese Laserschutzkurse, die etwa die Bestellung von Laserschutzbeauftragten bei Lasern höherer Klassen betreffen, sind von den NiSV-Fachkundeanforderungen zu unterscheiden: Die TROS adressiert den Arbeitsschutz, die NiSV die Anwendung am Menschen zu kosmetischen Zwecken. In der Praxis ergänzen sie sich dort, wo Betreiber und Praxen zugleich Arbeitsschutz-, Geräte- und Anwendungskompetenz organisieren müssen.

Die NiSV ordnet Unger als „wichtigen, regulatorischen Schritt“ zu einer einheitlichen Anwenderausbildung ein, positioniert die eigene Academy aber ausdrücklich als komplementäre Erweiterung, die über die regulatorischen Mindestanforderungen hinausgehen soll. Dass ein Hersteller die staatliche Pflichtschulung mit einem eigenen, herstellergebundenen Programm flankiert, ist im Markt nicht unüblich, denn es bindet Anwender zugleich enger an die jeweilige Geräteplattform.

Produktoffensive und Markttrend

Für das laufende Jahr und 2027 sieht sich Asclepion technologisch gut aufgestellt und verweist auf mehrere neue beziehungsweise weiterentwickelte Systeme, die bestehende Plattformen fortschreiben: den 577-nm-Laser YellowStar als Nachfolger des QuadroStarPRO YELLOW, den Diodenlaser MeDioStar GOLD mit frei wählbarer Wellenlängenverteilung sowie den Thulium-Faser-Laser MultiPulse TFL für urologische Anwendungen. Über die zur El.En.-Gruppe gehörende DEKA kommen ergänzende Technologien wie CO₂-, Alexandrit- und Nd:YAG-Laser hinzu.

Den entscheidenden Wettbewerbsfaktor der kommenden 24 Monate sieht Unger weniger im einzelnen Gerät als in der Fähigkeit zur klaren Profilierung: einer fokussierten Ausrichtung auf definierte Indikationen, kombiniert mit der engen Verzahnung von Technologie, Schulung, Service und regulatorischer Kompetenz, letzteres gerade im Kontext der MDR-Anforderungen. In einem zunehmend konsolidierten Markt, so sein Fazit, behaupteten sich jene Anbieter, die technologische und klinische Substanz mit echter Nähe zum Anwender verbänden.

Damit beschreibt Asclepion eine Marktlücke, die durch die Konzernbildung der großen Wettbewerber entsteht, und positioniert sich selbst genau in dieser Lücke. Ob die Rechnung aufgeht, entscheiden am Ende die Praxen, deren verändertes Beschaffungsverhalten Unger zu Beginn skizziert hat.


Die zitierten Aussagen stammen aus einer schriftlichen Stellungnahme von Thomas Unger, Director Marketing & Customer Experience der Asclepion Laser Technologies GmbH, gegenüber der Redaktion. Sie geben die Sicht des Unternehmens wieder.