Ressort: Praxis & Industrie Lesezeit: ca. 15 Minuten Stand: April 2026
Pikosekundenlaser haben sich in den vergangenen Jahren zur Referenztechnologie für Tattooentfernung und die Behandlung anspruchsvoller Pigmentindikationen entwickelt. Mit Pulsdauern im Bereich von Billionsteln einer Sekunde arbeiten sie photoakustisch statt thermisch und erweitern das therapeutische Spektrum gegenüber klassischen Q-Switched-Nanosekundenlasern. Dieser Beitrag bietet Fachärztinnen und Fachärzten eine strukturierte Marktübersicht der sechs für den DACH-Raum relevanten fachärztlichen Plattformen – mit Wellenlängen, Pulsdauer, Energie, Handstückkonfigurationen und Hinweisen zur DACH-Verfügbarkeit.
Eine breitere Übersicht über alle Lasertechnologien in der ästhetischen Medizin findet sich im übergeordneten Beitrag Laser in der ästhetischen Medizin; der vorliegende Beitrag fokussiert ausschließlich auf Pikosekunden-Plattformen. Vor der Marktübersicht steht eine Trennlinie, die in Online-Suchen häufig fehlt: Der Begriff „Pikosekundenlaser“ beschreibt drei sehr unterschiedliche Marktsegmente, die in Suchergebnissen vermischt erscheinen. Eine saubere Differenzierung ist Voraussetzung für jede Investitionsentscheidung in der Praxis.
Was Pikosekundentechnologie leistet
Pikosekundenlaser geben Lichtimpulse mit Pulsdauern zwischen wenigen hundert Pikosekunden und etwa einer Nanosekunde ab. Eine Pikosekunde entspricht einem Billionstel einer Sekunde – ein Pikosekundenpuls ist damit rund hundert- bis tausendmal kürzer als ein klassischer Q-Switched-Nanosekundenpuls.
Die klinische Konsequenz dieser Pulsverkürzung: Während Nanosekundenlaser primär thermisch wirken (Erhitzen und Verkochen des Zielpigments), entsteht im Pikosekundenbereich ein photoakustischer Effekt. Pigmentpartikel werden mechanisch in deutlich kleinere Fragmente zerlegt – nicht durch Wärme, sondern durch eine ultrakurze Druckwelle. Die thermische Belastung des umliegenden Gewebes sinkt, das Risiko für Hyperpigmentierung und Narbenbildung wird in der Regel geringer eingeschätzt, und die Pigmentfragmente sind für das Lymphsystem leichter abtransportierbar.
In der Praxis bedeutet dies vor allem drei Vorteile:
- Bessere Eignung für hellere Hauttypen sowie häufig auch für Patientinnen und Patienten mit Fitzpatrick III–IV, weil das Risiko thermischer Nebenwirkungen reduziert ist.
- Wirksamere Behandlung schwieriger Tattoofarben wie Blau, Grün oder Türkis, die mit klassischen Q-Switched-Lasern oft nur unbefriedigend ansprechen.
- Erweiterte Indikationen jenseits der Tattooentfernung, insbesondere Melasma, Lentigines, Nevus of Ota und gezielte Hautrevitalisierungs-Konzepte.
Pikosekundentechnologie ist damit kein Tattoo-Entfernungsgerät im engeren Sinne, sondern eine Mehrindikations-Plattform mit Schwerpunkt auf Pigment- und Tattoofarben.
Drei Marktsegmente, die in Online-Suchen vermischt erscheinen
Wer als Fachärztin oder Facharzt online nach „Pikosekundenlaser“ sucht, stößt auf drei sehr unterschiedliche Marktsegmente. Eine erste Sortierung schützt vor Fehlinvestitionen und schafft Klarheit darüber, welche Plattformen für die fachärztliche Praxis relevant sind.
Erstes Segment: Industrielle Ultrakurzpulslaser. Pikosekundentechnologie wird auch in der industriellen Materialbearbeitung eingesetzt – etwa für die Beschriftung und Mikrobearbeitung von Metall, Kunststoff, Keramik oder Glas. Hersteller wie ACI Laser GmbH (Nohra/Thüringen) bauen Pikosekundenlaser für Anwendungen in Automotive, Elektronik und Maschinenbau. Diese Geräte sind keine Medizinprodukte und nicht für Patientenanwendungen gedacht, tauchen in Suchergebnissen aber unter denselben Stichworten auf.
Zweites Segment: Pikosekunden-Geräte für ein anderes ästhetisches Marktsegment. Daneben existieren Pikosekundenlaser, die primär für Kosmetikstudios oder ästhetisch ausgerichtete Studio-Konzepte beworben werden. Diese Geräte tragen häufig eine MDR-Zertifizierung und werden mit Renditen-Rechnungen pro Behandlung beworben; Mietmodelle ab wenigen hundert Euro pro Monat sind gängig. Regulatorisch entscheidend für deutsche Praxen: Die Entfernung von Tätowierungen und Permanent-Make-up mit Laser oder vergleichbaren optischen Verfahren ist in Deutschland seit dem 31. Dezember 2020 ärztlich vorbehalten (NiSV; Bundesamt für Strahlenschutz, BMUV). Eine Beschränkung auf bestimmte Facharztrichtungen sieht die Verordnung nicht vor – approbierte Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Fortbildung sind grundsätzlich berechtigt.
Drittes Segment: Fachärztliche Pikosekundenlaser-Plattformen. Dies sind die im DACH-Raum etablierten Systeme für plastisch-ästhetische Chirurgie und Dermatologie, die in der Regel im fünf- bis sechsstelligen Investitionsbereich liegen, von herstellereigenen oder konzerngebundenen Akademien begleitet werden und sowohl im klinischen als auch im niedergelassenen Praxisbetrieb eingesetzt werden. Der vorliegende Beitrag fokussiert ausschließlich auf dieses Segment.
Marktübersicht: Sechs Plattformen für die fachärztliche Praxis
Die folgende Tabelle stellt die zentralen technischen Eckdaten der sechs im DACH-Raum etablierten fachärztlichen Pikosekundenlaser-Plattformen gegenüber. Die Angaben beruhen auf Hersteller-Produktseiten und öffentlichen Spec-Sheets und sollten vor einer Investitionsentscheidung über die Hersteller direkt verifiziert werden.
| Plattform | Hersteller | Hauptwellenlängen | Pulsdauer | Peak Power |
|---|---|---|---|---|
| PicoSure Pro | Cynosure Lutronic | 755 nm; optional 532, 1064 nm | Picosekundenbereich (Hersteller nicht prominent publiziert) | nicht prominent publiziert |
| PicoWay | Candela | 532, 730, 785, 1064 nm | 250–450 ps (je Wellenlänge) | bis 0,89 GW (1064 nm) |
| StarWalker® PICO Pro | Fotona | 1064, 650, 585, 532 nm | 300 ps | bis 2,7 GW |
| Discovery Pico Series | Quanta System | 532, 1064 nm; 694 nm (Pico Plus) | Picosekundenbereich (variabel über VarioPulse®) | bis 1,8 GW |
| PicoStar® | Asclepion | 1064, 532 nm | 300 ps | bis 2,7 GW |
| Pico:premium | intros | bis zu 4 Wellenlängen: 1064, 532, 585, 650 nm | 300 ps | bis 1,7 GW |
Die Tabelle zeigt zwei Beobachtungen, die für die Auswahl in der Praxis relevant sind. Erstens: Vier von sechs Plattformen geben eine Pulsdauer von 300 ps an, womit sich die Geräte in dieser Kerndimension stärker ähneln als die Marketing-Differenzierung suggeriert. Zweitens: Die größte Bandbreite an Wellenlängen bieten PicoWay (vier echte Pikosekunden-Wellenlängen mit eigenem 510(k)-Status, K191685) und der intros Pico:premium (bis zu vier konfigurierbare Wellenlängen).
Hersteller im Detail
PicoSure Pro (Cynosure Lutronic)
Der PicoSure Pro ist die Weiterentwicklung des PicoSure, der nach Herstellerangaben als „world’s first 755 nm picosecond laser“ gilt. Die Plattform wird mit 755 nm als Hauptwellenlänge betrieben und kann optional um 532 nm und 1064 nm erweitert werden. Charakteristisch ist die Platinum Focus™ Lens für Hautrevitalisierungs-Anwendungen sowie ein Turbo-Modus für anspruchsvolle Tattooindikationen. Konfigurierbar mit einem Zoom-Handstück (2–6 mm) und vier festen Handstücken (5, 6, 8, 10 mm) bei einstellbarer Fluenz.
Indikationen nach Herstellerangaben: FDA-cleared unter anderem für Tattoos, benigne Pigmentläsionen, Akne-Narben, Falten und Hautrevitalisierung; nach Herstellerangaben das einzige Pikosekunden-System mit FDA-Clearance für Melasma-Pigment, Nevus of Ota und Hori’s nevus. Hersteller-Marketing nennt mehr als 83 peer-reviewed Publikationen und über eine Million durchgeführte Behandlungen – beides als Herstellerangaben einzuordnen.
DACH-Verfügbarkeit: Über Cynosure Lutronic GmbH (Hamburg). Der Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist etabliert; Service und Schulung werden über die deutsche Niederlassung abgewickelt.
Daneben im Cynosure-Lutronic-Portfolio: das PicoPlus mit vier Wellenlängen (532, 595, 660, 1064 nm), die auf Lutronic-Technologie zurückgeht. Praxen, die mehr Wellenlängenflexibilität in einer Plattform suchen, prüfen häufig beide Optionen aus diesem Hause.
PicoWay (Candela)
Der PicoWay zeichnet sich durch die größte Wellenlängen-Bandbreite unter den hier verglichenen Plattformen aus: vier echte Pikosekunden-Wellenlängen 532 nm, 730 nm, 785 nm und 1064 nm, jeweils mit eigenen Pulsdauern (1064 nm: 450 ps, 532 nm: 375 ps, 730 nm: 250 ps, 785 nm: 300 ps). Die FDA-Clearance K191685 vom September 2019 deckt ein breites Indikationsspektrum ab – Tattoos, benigne Pigmentläsionen, Akne-Narben, Falten, Melasma, Lentigines, Café-au-lait-Macules und Nevus of Ota.
Handstück-Konzept: Zoom 532/1064 nm (Spotgrößen 2–10 mm), zusätzlich PicoWay 785, PicoWay 730 sowie das Resolve- und Resolve-Fusion-Konzept für fraktionierte Behandlungen mit Split-Beam-Technologie. Die Wellenlängenkombination ist sowohl für vollständige Tattoofarben-Abdeckung (inklusive grün-blauer Tinten über 730/785 nm) als auch für vaskuläre und pigmentäre Indikationen ausgelegt.
DACH-Verfügbarkeit: Über Candela Deutschland (Neu-Isenburg). Service und Schulung sind an die deutsche Niederlassung angebunden.
StarWalker® PICO Pro (Fotona)
Der StarWalker® PICO Pro arbeitet mit einer Pulsdauer von 300 ps und liefert eine maximale Energie von 800 mJ sowie eine Spitzenleistung von bis zu 2,7 GW bei einer Frequenz von 1–10 Hz. Die verfügbaren Wellenlängen sind 1064 nm Nd:YAG, 650 nm, 585 nm und 532 nm KTP. Charakteristisch sind Fotonas patentierte FracTAT®-Technologie (fraktionierte Behandlung mit Mikro-Drilling-Effekt) und ASP (Adaptive Structured Pulse) für eine modulierte Energieabgabe.
Das Handstück-Konzept umfasst mehrere Titanium-Handstücke mit automatischer Spotgrößen-Erkennung sowie verschiedene fraktionale Optionen. Spotgrößen bis 10 mm sind mit Nd:YAG- und KTP-Quellen verfügbar.
Wichtige Differenzierung innerhalb der StarWalker-Familie: Fotona bietet daneben die StarWalker MaQX-Familie an, die primär als Q-Switched-System mit 5 ns Pulsdauer arbeitet und über die patentierte MaQX-Modulation pikosekunden-ähnliche Bursts erzeugt. Praxen, die einen echten Pikosekundenlaser im engeren Sinne suchen, sollten den PICO Pro wählen; die MaQX-Plattform deckt einen technisch verwandten, aber nicht identischen Anwendungsbereich ab.
Indikationen nach Herstellerangaben: Pigmentläsionen, Tattoos, Akne-Narben und Photoverjüngung. Eine 510(k)-Clearance für die StarWalker Laser System Family aus 2020 liegt vor; die PICO-Pro-spezifische Einordnung sollte bei Investitionsentscheidung über den Hersteller direkt verifiziert werden.
DACH-Verfügbarkeit: Über die Fotona GmbH (Gruibingen). Die Laser and Health Academy (LA&HA) ist Fotonas klinischer Bildungspartner.
Discovery Pico Series (Quanta System)
Quanta bietet mit der Discovery Pico Series drei Modellvarianten an: Discovery Pico, Discovery Pico Plus und Discovery Pico Derm. Die Wellenlängenkonfiguration umfasst 532 nm und 1064 nm; das Pico-Plus-Modell ergänzt zusätzlich 694 nm Ruby für die Behandlung von grünen und blauen Tattoofarben sowie spezifischen Pigmentindikationen.
Charakteristisch ist die VarioPulse®-Technologie – sie erlaubt die Auswahl zwischen drei verschiedenen Pikosekunden-Pulsdauern, abgestimmt auf die Größe und Dichte des Pigmentclusters. In Kombination mit der PicoBoost®-Technologie (Spitzenleistung bis 1,8 GW) bietet die Plattform vier Emissionsmodi: Picosekunde, Q-Switched (Nanosekunde), OptiPulse und Photothermal. Diese Pulsmodus-Vielfalt unterscheidet die Discovery Pico Series von den meisten anderen Plattformen, die ausschließlich im Pikosekunden- oder ausschließlich im Nanosekundenbereich arbeiten.
Handstück-Konzept: Die OptiBeam II-Familie umfasst Flat-Top-Spots in verschiedenen quadratischen und runden Geometrien. Quadratische Flat-Top-Handstücke werden für Tattooentfernung empfohlen, runde für Pigmentläsionen und Gesichtsbehandlungen. Ein fraktionales Handstück erweitert das Spektrum auf Skin-Resurfacing.
DACH-Verfügbarkeit: Quanta Discovery PICO ist im Asclepion-Family-Portfolio gelistet; die konkrete Vertriebs- und Servicezuständigkeit sollte über Asclepion oder Quanta direkt geklärt werden.
PicoStar® (Asclepion)
Der PicoStar® von Asclepion arbeitet mit zwei Wellenlängen – 1064 nm Nd:YAG und 532 nm KTP – bei einer Pulsdauer von 300 ps, einer maximalen Energie von 800 mJ und einer Spitzenleistung von bis zu 2,7 GW. Damit ist er auf dunkle Pigmente und mehrfarbige Tattoofarben ausgelegt, ohne die in PicoWay und Quanta Pico Plus zusätzlich verfügbaren Spezialwellenlängen für grüne und türkise Tinten.
Asclepion betont die „Hot-Spot“-freie Strahlführung durch ein eigenes Linsensystem sowie eine ergonomische Edelstahl-Handstück-Konstruktion mit automatischer Spoterkennung. Verfügbare Handstücke umfassen das Zoom-Handstück, die Flat-Top Performance 1064/532-Handstücksets sowie das MicroSpot PICO-Handstück für fraktionierte Behandlungen mit 64 Einzelspots auf einer 7×7-mm-Fläche – ein Ansatz, der die Plattform auch für Anwendungen jenseits der reinen Pigmententfernung positioniert.
DACH-Verfügbarkeit: Direkt über Asclepion in Jena. Asclepion betreibt zudem die etablierte Asclepion Academy mit nach eigenen Angaben über 30 Jahren Erfahrung in der ärztlichen Laserfortbildung – ein Aspekt, der gerade unter den verschärften NiSV-Fortbildungsanforderungen an Bedeutung gewonnen hat. Daneben bietet Asclepion die NanoStar®-Familie als Q-Switched-Vorgänger an, die in Praxen mit niedrigerem Investitionsbudget eine Alternative bleibt.
Pico:premium (intros)
Der Pico:premium von intros ist Anfang 2024 als jüngste der hier besprochenen Plattformen auf den Markt gekommen. Er arbeitet mit einer Pulsdauer von 300 ps und einer Spitzenleistung von bis zu 1,7 GW. Konfigurierbar ist die Plattform mit bis zu vier Wellenlängen – 1064 nm, 532 nm, 585 nm und 650 nm – wobei die genaue Konfiguration je nach Bestellung gewählt wird.
Die Wellenlängenstruktur zielt auf eine breite Abdeckung des Tattoofarbenspektrums: 1064 nm für dunkle Pigmente und tiefere Hautschichten, 532 nm für rote, orange und gelbe Pigmente, 585 nm und 650 nm für spezielle Farbspektren wie schwierige Blau- und Grüntöne. Charakteristisch sind ein nach Herstellerangaben besonders großer homogener Spot, automatische Spoterkennung am Handstück sowie ein fraktioniertes Handstück. Anders als bei einigen Wettbewerbern fallen nach Herstellerangaben keine zusätzlichen Verbrauchsmaterialien an – ein Aspekt, der die laufenden Praxiskosten beeinflussen kann.
DACH-Verfügbarkeit: Direkt über intros Medical Laser GmbH mit Standorten in Heilbad Heiligenstadt, Düsseldorf und Jena. Die intros Akademie übernimmt die Anwenderschulung. Eine FDA-Clearance wurde in der öffentlich zugänglichen Erstprüfung nicht gefunden; für den DACH-Markt sind CE-/MDR-Status und der direkte Hersteller-Service im Vordergrund.
Daneben bietet intros den Q10:premium als Q-Switched-Nd:YAG-Laser an, der in Praxen mit fokussierter Q-Switched-Anwendung eingesetzt wird.
Indikations-Matrix: Welche Wellenlänge für welches Ziel
Die Auswahl der Wellenlänge hängt maßgeblich von der Zielstruktur ab – sowohl bei Tattoofarben als auch bei pigmentären Indikationen. Die folgende Matrix liefert eine orientierende Einordnung und ersetzt keine individuelle Behandlungsplanung.
| Wellenlänge | Typische Zielstruktur (orientierend) |
|---|---|
| 1064 nm | dunkle Pigmente (schwarz, blau), tiefere Pigmente, hautschonender bei dunkleren Hauttypen (Fitzpatrick III–VI) |
| 532 nm | rote, orange, gelbe Pigmente, oberflächlichere Pigmente, höheres Nebenwirkungsrisiko bei dunkleren Hauttypen |
| 694 nm Rubin | grün, blau, bestimmte schwer behandelbare Tattoofarben |
| 730/755/785 nm | je nach System für grüne, blaue und schwarze Pigmente sowie spezifische Pigmentindikationen |
| 585/650 nm | systemabhängig als zusätzliche Wellenlängen für bestimmte Farbspektren beworben; klinische Relevanz und Einsatz hängen stark vom Gerät, der Pulsenergie und dem Behandlungskonzept ab |
Für ein typisches mehrfarbiges Tattoo wird in der Praxis häufig eine Kombination mehrerer Wellenlängen empfohlen – 1064 nm für schwarze und blaue Anteile, 532 nm für rote und gelbe Bereiche, gegebenenfalls 694 nm Rubin oder 730/785 nm für grüne und türkise Pigmente. Plattformen mit vier echten Pikosekunden-Wellenlängen (PicoWay) oder vier konfigurierbaren Wellenlängen (intros Pico:premium) decken dieses Spektrum vergleichsweise breit ab; Plattformen mit zwei Wellenlängen (Asclepion PicoStar, Quanta Discovery Pico Standard) erfordern bei farblich anspruchsvollen Tattoos häufiger Kombinationsbehandlungen mit Q-Switched-Vorsystemen.
Bei pigmentären Indikationen wie Melasma, Lentigines oder Nevus of Ota ist die FDA-Clearance der jeweiligen Plattform für die spezifische Indikation ein wichtiger Orientierungspunkt – wobei für deutsche Praxen die CE-/MDR-Einordnung und die in den europäischen Leitlinien etablierten Anwendungsmuster im Vordergrund stehen.
Praktische Hinweise zur Anschaffung
Pikosekundenlaser für die fachärztliche Praxis bewegen sich in der Regel im sechsstelligen Investitionsbereich – konkrete Listenpreise variieren stark nach Konfiguration, Wellenlängenausstattung und Handstück-Optionen und werden bei den genannten Herstellern direkt erfragt. Über den Anschaffungspreis hinaus sollten in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung folgende Aspekte einfließen:
Service und Reaktionsgeschwindigkeit: Wie schnell ist der Hersteller bei einem Defekt vor Ort? Welche Service-Levels sind vertraglich abbildbar? Hersteller mit deutscher Niederlassung (Asclepion in Jena, intros in Heiligenstadt, Cynosure Lutronic GmbH in Hamburg, Candela in Neu-Isenburg, Fotona GmbH in Gruibingen) haben hier strukturelle Vorteile gegenüber rein internationalem Vertrieb.
Verbrauchsmaterialien: Manche Plattformen erfordern regelmäßig auszutauschende Komponenten oder Tips, andere kommen ohne signifikante Verbrauchsmaterialien aus. Über mehrere Jahre Nutzungsdauer können sich daraus deutliche Kostenunterschiede ergeben.
Schulung und Fachkundenachweis: Die NiSV-Anforderungen an die ärztliche Fortbildung sind seit Januar 2024 vollständig in Kraft. Hersteller-Akademien (intros Akademie, Asclepion Academy, Laser and Health Academy für Fotona) sind in der Regel auf diese Anforderungen ausgerichtet und bieten dokumentationsfähige Zertifikate.
MDR-/CE-Status und Update-Pfad: Welche Indikations-Erweiterungen sind in den vergangenen 24 Monaten freigegeben worden? Wie ist der Hersteller in der Lage, auf neue klinische Evidenz mit Software-Updates oder Handstück-Ergänzungen zu reagieren?
Schulungs- und Anwender-Netzwerk: Wie groß ist die installierte Basis im DACH-Raum? Gibt es kollegiale Erfahrungsaustausch-Strukturen, etwa über User-Meetings oder Anwender-Gruppen?
Häufige Fragen zur Pikosekundentechnologie in der Praxis
Welche Pikosekundenplattform ist die richtige für meine Praxis?
Das hängt stark vom Indikations-Schwerpunkt ab. Für einen Praxis-Fokus auf Tattooentfernung mit mehrfarbigem Spektrum sind Plattformen mit vier Wellenlängen (PicoWay, intros Pico:premium) oder mit Ruby-Erweiterung (Quanta Discovery Pico Plus) im Vorteil. Für einen Fokus auf Pigmentindikationen und Hautrevitalisierung sind 755-nm- oder 1064-nm-fokussierte Plattformen (PicoSure Pro, Asclepion PicoStar) gut positioniert. Praxen mit gemischtem Indikationsspektrum prüfen häufig die Mehr-Wellenlängen-Optionen.
Sind Pikosekundenlaser auch für dunklere Hauttypen geeignet?
Grundsätzlich ja – die kürzere Pulsdauer reduziert das Risiko thermischer Nebenwirkungen gegenüber Q-Switched-Lasern. Für Fitzpatrick V–VI sind aber Vorsicht und entsprechende Erfahrung weiterhin nötig; 1064 nm gilt in der Regel als sicherer als 532 nm. Die FDA-Clearance des PicoSure Pro für Melasma ist in dieser Hinsicht ein häufig genannter Verweis – für deutsche Praxen bleibt die Patientenaufklärung über das individuelle Risiko zentral.
Wie unterscheiden sich Pikosekundenlaser von Q-Switched-Nanosekundenlasern?
Pikosekundenlaser arbeiten primär photoakustisch (Druckwellen-Effekt durch ultrakurze Pulse), Q-Switched-Nanosekundenlaser primär photothermisch (Erhitzen des Pigments). In der Praxis bedeutet das in der Regel: weniger Sitzungen, weniger thermische Nebenwirkungen, bessere Eignung für schwierige Tattoofarben und für pigmentäre Indikationen. Die Anschaffungskosten liegen jedoch über denen eines reinen Q-Switched-Systems. Manche Plattformen (etwa Quanta Discovery Pico) integrieren beide Technologien in einem Gerät und bieten Auswahl zwischen Pikosekunden- und Nanosekunden-Modus.
Was bedeutet die NiSV-Novelle für die Investition?
Die NiSV-Änderungen sind seit dem 1. Januar 2024 vollständig in Kraft. Für die Tattooentfernung mit Laser besteht in Deutschland seit Ende 2020 ein ärztlicher Vorbehalt. Bei der Investitionsentscheidung sollte der NiSV-konforme Schulungspfad des Herstellers überprüfbar dokumentiert sein. Fortbildungen mit Zertifikat erleichtern die Erfüllung der Anforderungen gegenüber den zuständigen Behörden.
Welche Indikationen lassen sich neben Tattooentfernung mit Pikosekundenlasern behandeln?
Häufig genannte Indikationen sind benigne Pigmentläsionen (Lentigines, Sommersprossen, Café-au-lait-Macules), Melasma, Nevus of Ota, Akne-Narben, feine Falten und Hautrevitalisierung. Die genaue FDA- bzw. CE-Indikations-Liste variiert je Plattform und sollte vor der Vermarktung der Behandlung in der eigenen Praxis verifiziert werden – insbesondere mit Blick auf die Werbevorgaben des HWG.
Wie lange dauert eine Behandlungssitzung typischerweise?
Je nach Indikation und Behandlungsfläche liegen typische Sitzungsdauern zwischen 10 und 30 Minuten. Tattooentfernungen erfordern in der Regel mehrere Sitzungen mit Abständen von vier bis acht Wochen, wobei Pikosekundentechnologie die Gesamtsitzungszahl gegenüber Q-Switched-Systemen oft reduziert.
Was kostet eine Behandlungssitzung für die Patientin oder den Patienten?
Die Selbstzahler-Preise variieren stark nach Region, Praxis und Behandlungsfläche. Für eine Tattooentfernungs-Sitzung sind im DACH-Raum Preisspannen zwischen 80 und 400 Euro pro Sitzung verbreitet, je nach Tattoo-Größe. Pigment-Behandlungen liegen häufig in ähnlichem Rahmen.
Disclaimer
Dieser Beitrag bietet eine redaktionelle Marktübersicht und keine Kaufempfehlung. Alle technischen Angaben beruhen auf Hersteller-Produktseiten, öffentlichen Spec-Sheets sowie FDA-Dokumenten und entsprechen dem Stand April 2026. Plattform-Konfigurationen, Wellenlängen, Pulsdauern und Indikations-Freigaben können sich ändern; vor einer Investitionsentscheidung sollten alle Angaben über die jeweiligen Hersteller direkt verifiziert werden. Die im Beitrag genannten klinischen Wirkmechanismen, Indikationen und Behandlungseffekte beruhen auf Hersteller-Angaben und veröffentlichter Fachliteratur und ersetzen weder eine individuelle Therapieplanung noch eine ärztliche Aufklärung gegenüber Patientinnen und Patienten. Markennamen (PicoSure®, PicoWay®, StarWalker®, Discovery Pico®, PicoStar®, Pico:premium®) sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber.
Hinweise auf Aktualisierungen, Korrekturen oder Anregungen zu diesem Beitrag nimmt die Redaktion gerne entgegen.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Hersteller-Produktseiten: cynosure.com, candelamedical.com, fotona.com, quantasystem.com, asclepion.com, intros.de
- FDA-Datenbank: 510(k)-Datenbank der FDA für die genannten Plattformen, insbesondere K191685 (PicoWay, September 2019) und 510(k)-Clearance der StarWalker Laser System Family (2020)
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zum NiSV-Arztvorbehalt für die Tattooentfernung
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) zu NiSV und ärztlicher Fortbildung

