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Männer beim Schönheitschirurgen: Warum die Nachfrage steigt

Ästhetische Medizin ist längst kein reines Frauenthema mehr. Die DGÄPC-Statistik 2025 zeigt: Besonders bei jungen Männern steigt die Nachfrage nach operativen Eingriffen deutlich – allen voran die Behandlung der Gynäkomastie, deren Anteil sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verfünffacht hat. Was treibt Männer zum Plastischen Chirurgen?

Die Zahlen: Männer in der ästhetischen Medizin

Der Männeranteil in der ästhetisch-plastischen Chirurgie liegt laut DGÄPC-Statistik 2025 bei 11,4 Prozent. Das klingt nach wenig, bedeutet aber: Mehr als jeder zehnte Patient beim Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ist männlich. Bei einer Gesamtzahl von 4.548 befragten Patienten in der aktuellen Erhebung sind das über 500 Männer, die aktiv eine Beratung oder Behandlung in einer Fachpraxis in Anspruch genommen haben.

Interessant ist dabei ein Blick auf die langfristige Entwicklung: Das Geschlechterverhältnis in der ästhetischen Chirurgie ist über das letzte Jahrzehnt erstaunlich stabil geblieben. Der Männeranteil schwankt seit Jahren zwischen 11 und 13 Prozent, mit einem zwischenzeitlichen Hoch von 17,1 Prozent im Jahr 2013. Was sich verändert hat, ist nicht die Gesamtquote, sondern die Art der Eingriffe, die Männer nachfragen – und die Offenheit, mit der sie darüber sprechen.

Top 5: Die beliebtesten Eingriffe bei Männern

Beliebteste Eingriffe bei männlichen Patienten 2025

PlatzEingriffAnteil 2025
1Oberlidstraffung (Schlupflid-OP)Spitzenwert
2Gynäkomastie (Männerbrust)5,5 %
3Fettabsaugungsteigend
4Bauchdeckenstraffung+2 % gg. Vorjahr
5Facelift / Halsstraffungsteigend

Der auffälligste Trend: Die Gynäkomastie-Behandlung hat einen beispiellosen Anstieg erfahren. 2023 lag der Anteil noch bei 1,0 Prozent, 2024 bei 2,6 Prozent, 2025 bereits bei 5,5 Prozent. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich die Nachfrage mehr als verfünffacht. Bei jungen Männern unter 30 ist die Gynäkomastie sogar der am häufigsten durchgeführte Eingriff.

Gynäkomastie: Vom Tabuthema zum häufigsten Männereingriff

Die Gynäkomastie – eine übermäßige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse – ist in den meisten Fällen genetisch bedingt. Sie betrifft schätzungsweise 30 bis 60 Prozent aller Männer in irgendeiner Ausprägung. Für die Betroffenen ist es häufig ein erhebliches psychisches Problem: Sie meiden enge T-Shirts, Schwimmbäder und Situationen, in denen ihr Oberkörper sichtbar ist.

Die operative Behandlung erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Fettabsaugung und Entfernung des überschüssigen Drüsengewebes. Der Eingriff dauert etwa ein bis zwei Stunden, wird unter Vollnarkose durchgeführt und hinterlässt kaum sichtbare Narben. Die Kosten liegen zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist möglich, wenn eine medizinische Indikation vorliegt – etwa bei hormonell bedingter Vergrößerung mit nachweisbarem Krankheitswert.

DGÄPC-Tagungspräsident Stefan Zimmermann ordnet die Entwicklung ein: „Junge Männer präsentieren sich heute durch Instagram, TikTok und Co. ganz anders als vor 20 Jahren. Die Hemmschwelle, über körperliche Probleme zu sprechen und professionelle Hilfe zu suchen, ist deutlich gesunken.“

Oberlidstraffung: Der Klassiker bei Männern

Die Oberlidstraffung (Blepharoplastik) ist seit Jahren der beliebteste Eingriff bei männlichen Patienten und erreichte 2024 mit 17,9 Prozent einen Spitzenwert. Schlupflider lassen das Gesicht müde, älter und weniger vital erscheinen – ein Effekt, der im beruflichen Kontext eine Rolle spielen kann. Männer, die sich für diesen Eingriff entscheiden, tun das selten aus reiner Eitelkeit, sondern weil sie professionell und leistungsfähig wirken möchten.

Der Eingriff wird häufig unter örtlicher Betäubung durchgeführt, dauert etwa 45 bis 60 Minuten pro Seite und kostet zwischen 1.500 und 3.500 Euro. Die Narbe wird in der natürlichen Lidfalte versteckt und ist nach der Heilung praktisch unsichtbar. Liegt eine Einschränkung des Gesichtsfelds vor, übernimmt die Krankenkasse in vielen Fällen die Kosten.

Der Ozempic-Effekt: Warum Männer zunehmend Straffungs-OPs nachfragen

Ein relativ neuer Treiber für die steigende Nachfrage männlicher Patienten ist der sogenannte Ozempic-Effekt. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) führen bei vielen Patienten zu einem schnellen, starken Gewichtsverlust von 15 bis 25 Kilogramm. Die Folge: überschüssige Haut am Bauch, an den Oberarmen und im Brustbereich – Probleme, die sich durch Sport allein nicht lösen lassen.

Die DGÄPC-Statistik 2025 dokumentiert den Zusammenhang: Bauchdeckenstraffungen bei Männern zwischen 31 und 50 Jahren haben um gut zwei Prozentpunkte zugelegt. Auch Oberarm- und Oberschenkelstraffungen sind bei männlichen Patienten erstmals in relevantem Umfang nachgefragt. Für Fachärzte sind diese Eingriffe anspruchsvoll, da Männer eine dickere Haut und eine andere Fettverteilung haben als Frauen – die OP-Techniken müssen entsprechend angepasst werden.

Social Media und das männliche Körperbild

Die Enttabuisierung ästhetischer Eingriffe bei Männern ist unmittelbar mit Social Media verknüpft. Plattformen wie Instagram und TikTok haben das männliche Körperbild grundlegend verändert: Sichtbare Bauchmuskeln, definierte Kieferlinien und ein jugendliches Gesicht sind nicht mehr nur Fitness-Ideale, sondern Standards, an denen sich junge Männer messen. Prominente und Influencer sprechen zunehmend offen über ihre Eingriffe – von der Haartransplantation bis zur Kinnkonturierung.

Die Kehrseite: Der DGÄPC-Präsident Dr. Helge Jens berichtet von jungen Männern, die mit unrealistischen Vorstellungen in die Praxis kommen – geprägt von gefilterten Bildern und bearbeiteten Videos. Die Zahlen bestätigen das: 23,8 Prozent der unter 30-Jährigen lassen sich bei ihrer Behandlungsentscheidung von Social Media beeinflussen. Bei Männern spielt dabei zunehmend das Phänomen der Muskeldysmorphie eine Rolle – die Wahrnehmung, dass der eigene Körper trotz Training nicht muskulös genug ist.

Was Männer bei der Arztwahl anders machen

Männliche Patienten unterscheiden sich in ihrem Verhalten deutlich von Patientinnen. Sie informieren sich länger und gründlicher vor dem Erstgespräch, stellen mehr technische Fragen zum Eingriff und erwarten ein klares, sachliches Gespräch ohne emotionale Verkaufsrhetorik. Gleichzeitig neigen Männer dazu, den Eingriff gegenüber ihrem Umfeld zu verschweigen – Diskretionszusagen der Praxis spielen eine größere Rolle als bei Patientinnen.

Was die Arztwahl betrifft, gelten für Männer dieselben Empfehlungen wie für alle Patienten: Der Eingriff gehört in die Hände eines Facharztes für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Besonders bei der Gynäkomastie-Behandlung ist Erfahrung entscheidend – eine unvollständige Entfernung des Drüsengewebes führt zu Rezidiven, eine zu aggressive Absaugung kann Dellen und Asymmetrien hinterlassen. Die DGÄPC rät dazu, gezielt nach Chirurgen mit dokumentierter Erfahrung in der männlichen ästhetischen Chirurgie zu suchen.

Blick nach vorn: Wird ästhetische Chirurgie bei Männern normal?

Die Entwicklung der letzten Jahre deutet darauf hin, dass sich der Markt für männliche ästhetische Chirurgie weiter öffnen wird. Drei Faktoren treiben die Entwicklung: Die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz, verstärkt durch Social Media und prominente Vorbilder. Der Ozempic-Effekt, der bei Männern zu einem neuen Bedarf an körperstraffenden Eingriffen führt. Und das wachsende Bewusstsein, dass ästhetische Selbstoptimierung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge ist.

Gleichzeitig bleibt wichtig: Der Männeranteil von 11,4 Prozent zeigt, dass die ästhetische Chirurgie nach wie vor überwiegend von Frauen in Anspruch genommen wird. Die Enttabuisierung ist in Gang, aber sie verläuft langsamer als die mediale Berichterstattung vermuten lässt. Für seriöse Fachärzte bedeutet das: Männliche Patienten verdienen dieselbe Aufmerksamkeit und Sorgfalt in Beratung und Behandlung wie Patientinnen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Quellen: DGÄPC-Statistik 2025 (veröffentlicht 14.11.2025, Dresden); DGÄPC-Statistik 2024; Deutsches Ärzteblatt, November 2025; ISAPS Global Survey 2022/2023. Alle Prozentangaben aus der DGÄPC-Patientenbefragung sofern nicht anders angegeben.