Die einzige Erhebung auf Behandlerebene
Die VDÄPC ist die einzige Fachgesellschaft in Deutschland, die Eingriffszahlen direkt auf der Ebene der behandelnden Ärzte erhebt. Während die DGÄPC-Statistik auf Patientenbefragungen basiert, bildet die VDÄPC-Behandlungsstatistik ab, was in den Praxen und Kliniken der mehr als 100 Mitglieder tatsächlich operiert und behandelt wird. Die aktuelle Auswertung für das Jahr 2025 wurde im Rahmen der 30. VDÄPC-Jahrestagung in Berlin vorgestellt.
Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Der Gesamtmarkt wächst nur minimal, aber unter der Oberfläche verschiebt sich die Gewichtung zwischen operativen und minimalinvasiven Eingriffen erheblich. Gleichzeitig steigen Korrekturbehandlungen nach Auslands-OPs, und die Daten zur Beratungsqualität liefern erstmals harte Zahlen zu einem Thema, das bisher vor allem anekdotisch diskutiert wurde.
Knapp 98.000 Eingriffe – aber die Gewichte verschieben sich
Die VDÄPC-Mitglieder führten 2025 insgesamt 97.962 Eingriffe durch – ein moderater Anstieg von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (95.509). Die Gesamtzahl allein erzählt aber nur die halbe Geschichte.
Aufschlussreich ist die Verteilung: Ästhetisch-plastische Operationen gingen um 14,3 Prozent zurück, von 42.021 auf 36.004 Eingriffe. Minimalinvasive Behandlungen stiegen gleichzeitig um 15,8 Prozent, von 53.488 auf 61.958. Damit liegt der Anteil minimalinvasiver Eingriffe 2025 bei 63 Prozent – nach 56 Prozent in den beiden Vorjahren ein deutlicher Sprung.
Diese Verschiebung ist kein Zufall. Sie spiegelt wider, was die DGÄPC-Statistik von der Patientenseite her bestätigt: Der Wunsch nach natürlichen, subtilen Ergebnissen wächst, und Patienten entscheiden sich zunehmend für Verfahren mit geringerer Ausfallzeit. Dass dieser Trend nun auch in den Praxen der Fachärzte angekommen ist, hat eine zusätzliche Dimension, die VDÄPC-Vizepräsidentin Dr. Katrin Müller auf den Punkt bringt: Patienten suchen für minimalinvasive Eingriffe zunehmend den Facharztstandard – weil sie erkannt haben, dass Sicherheit auch bei Botox und Filler nicht selbstverständlich ist.
Top 10 der Eingriffe: Botox dominiert, Intimchirurgie steigt auf
Die Rangliste der häufigsten Eingriffe 2025 zeigt klare Schwerpunkte:
Botulinumbehandlungen führen das Ranking mit 34.671 Eingriffen unangefochten an, gefolgt von Hyaluron-Behandlungen mit 23.689 Eingriffen. Allein diese beiden minimalinvasiven Verfahren machen zusammen fast 60 Prozent aller Eingriffe aus.
Auf Platz drei folgt die Blepharoplastik (Lidstraffung) mit 6.051 Eingriffen – der häufigste operative Eingriff und ein Klassiker, der über die Jahre stabil bleibt. Die Fettabsaugung liegt mit 4.485 Eingriffen auf Platz vier. Die Brustvergrößerung (3.676) und die Brustverkleinerung (3.087) folgen auf den Plätzen fünf und sechs.
Bemerkenswert: Die Intimchirurgie steigt mit 1.718 Eingriffen auf Platz neun ein – ein Trend, den auch die DGÄPC-Statistik mit einem Zuwachs von über 50 Prozent bei unter 30-Jährigen bestätigt. DGÄPC-Präsidentin Dr. Michaela Montanari ordnet dies als positive Entwicklung ein: In der Regel suchten Patientinnen wegen funktioneller Beschwerden oder psychischer Belastungen ärztliche Hilfe.

Geschlechterverteilung: Männer setzen andere Schwerpunkte
Bei den Männern zeigt sich ein anderes Bild als bei den Frauen. Die Top 5 der operativen Eingriffe bei Männern 2025 sind: Blepharoplastik (911), Gynäkomastie (733), Fettabsaugung (582), Körperdefinierung (467) und Haartransplantation (244).
Die Gynäkomastie – die operative Behandlung der vergrößerten männlichen Brust – bleibt damit einer der häufigsten Eingriffe bei Männern. VDÄPC-Präsident Dr. Alexander Schönborn betont, dass es hier häufig nicht um Lifestyle-Medizin gehe, sondern um die Behandlung realer medizinischer Probleme.
Auffällig ist auch die Kategorie „Körperdefinierung“ auf Platz vier – ein Verfahren, das bei Frauen so nicht in den Top-Listen auftaucht und den Trend zur maskulinen Konturierung widerspiegelt, den auch die DGÄPC-Statistik für 2025 konstatiert.
70 Prozent der Ärzte beraten 30 bis 60 Minuten – und jeder dritte lehnt ab
Die VDÄPC hat 2025 erstmals die Beratungsqualität systematisch erhoben. Die Zahlen sind bemerkenswert:
39,2 Prozent der Fachärzte investieren 30 bis 45 Minuten in ein Erstgespräch, weitere 29,1 Prozent sogar 45 bis 60 Minuten. 13,9 Prozent nehmen sich mehr als eine Stunde Zeit. Lediglich 1,3 Prozent wenden weniger als 15 Minuten auf. Das bedeutet: Rund 82 Prozent der VDÄPC-Mitglieder beraten mindestens eine halbe Stunde lang, bevor überhaupt über einen Eingriff entschieden wird.
Noch aufschlussreicher: 30,4 Prozent der Ärzte lehnen nach der Beratung mindestens jeden zehnten Behandlungswunsch ab – weil sie eine Diskrepanz zwischen objektivem Befund und subjektivem Leidensdruck feststellen oder psychische Kontraindikationen vermuten. 17,7 Prozent lehnen sogar mehr als 15 Prozent aller Anfragen ab.
Diese Zahlen sind ein starkes Argument für den Facharztstandard und ein Kontrapunkt zur wachsenden Beautyketten-Kritik: Wo Fachärzte beraten, wird nicht automatisch behandelt. Die Indikationsstellung ist ein eigenständiger Wertschöpfungsschritt, der in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt wird.
Folgebehandlungen steigen auf 41,6 Prozent – ein Vertrauensindikator
Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die für eine zweite oder weitere Behandlung in dieselbe Praxis zurückkehren, steigt seit Jahren kontinuierlich an: 34,0 Prozent (2021), 35,8 Prozent (2022), 37,6 Prozent (2023), 39,9 Prozent (2024) und nun 41,6 Prozent (2025).
Schönborn interpretiert diesen Trend als Beleg für eine hohe Patientenzufriedenheit. Für die Praxisökonomie bedeutet er zugleich, dass ein stabiler Patientenstamm zum tragenden Umsatzpfeiler wird – ein Geschäftsmodell, das auf Qualität und Vertrauen statt auf Neukundenakquise über Preisdumping setzt.
Korrekturbehandlungen nach Auslands-OPs: Brust-OPs als Hauptproblem
Der Anteil der Patienten, die zur Korrekturbehandlung nach einer Auslandsbehandlung kommen, ist erneut gestiegen: von 12,6 Prozent (2022) über 14,3 Prozent (2023) und 14,5 Prozent (2024) auf nun 16,2 Prozent (2025).
Die Art der Korrekturen gibt Aufschluss über die Problemfelder: Brust-Operationen dominieren mit 56 Prozent aller Auslands-Korrekturen, gefolgt von Bauchdeckenstraffungen (19 Prozent), Liposuktionen (10 Prozent), Facelifts (9 Prozent) und Nasenkorrekturen (9 Prozent).
Auch die Ursachen verschieben sich: Während 2024 noch 63,2 Prozent der Korrekturen auf Wundheilungsstörungen und Infektionen zurückgingen, liegt dieser Wert 2025 bei 49 Prozent. Dafür steigt der Anteil unzufriedenstellender ästhetischer Ergebnisse von 41,2 auf 52 Prozent. Auffällig: Echte Behandlungsfehler sanken von 17,6 auf 8 Prozent.
Die Interpretation: Auslands-Kliniken werden technisch besser (weniger grobe Fehler, weniger Infektionen), aber die ästhetischen Ergebnisse erfüllen die Erwartungen der Patienten seltener. Das spricht für ein Aufklärungsdefizit auf Patientenseite und möglicherweise für eine unzureichende Beratung vor dem Eingriff – genau das Problem, das die VDÄPC mit ihren Beratungszahlen als Gegenmodell adressiert.
Auf die Frage, ob mehr Patienten mit Korrekturbedarf nach Auslandsbehandlungen kommen als in den Vorjahren, antworteten 29,1 Prozent der Ärzte mit Ja, 34,2 Prozent mit Nein und 36,7 Prozent sahen keine Veränderung. Im Vorjahr hatten noch 36,8 Prozent einen Anstieg bestätigt – die Dynamik scheint sich also leicht abzuflachen, bleibt aber auf hohem Niveau.
Was die Zahlen für die Praxis bedeuten
Die VDÄPC-Behandlungsstatistik 2025 lässt sich auf drei zentrale Entwicklungen verdichten.
Erstens: Die minimalinvasive Verschiebung ist kein vorübergehender Trend, sondern eine strukturelle Marktveränderung. Praxen, die ausschließlich auf operative Eingriffe setzen, verlieren Marktanteile – an Fachärzte, die das volle Spektrum anbieten, aber auch an Beautyketten. Die Antwort liegt nicht im Preiskampf, sondern in der Qualitätspositionierung: ausführliche Beratung, fachärztliche Indikationsstellung und Komplikationsmanagement als Differenzierungsmerkmale.
Zweitens: Die Beratungsqualität wird zum messbaren Qualitätsmerkmal. Die erstmals erhobenen Daten zu Gesprächsdauer und Ablehnungsquoten liefern der Fachärzteschaft ein konkretes Argument gegen die Bagatellisierung ästhetischer Eingriffe. Wer 30 bis 60 Minuten berät und jeden zehnten Patienten ablehnt, praktiziert einen anderen Standard als eine Beautykette, die Fillerbehandlungen im 15-Minuten-Takt anbietet.
Drittens: Die Korrekturproblematik nach Auslandsbehandlungen verschiebt sich von Komplikationen hin zu ästhetischer Unzufriedenheit. Das eröffnet Fachärzten die Möglichkeit, sich als Revisionsspezialisten zu positionieren – ein wachsendes Marktsegment, das hohe Expertise erfordert und entsprechend vergütet werden kann.
Quelle: VDÄPC-Behandlungsstatistik 2025, Mitgliederbefragung 2026, vorgestellt auf der 30. Jahrestagung der VDÄPC am 13.–14. März 2026 in Berlin. Die vollständige Statistik ist auf der VDÄPC-Website unter der Rubrik „Statistiken“ verfügbar.
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