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Die DGÄPC-Statistik 2025 zeigt: Natürlichkeit, Langlebigkeit und Sicherheit bestimmen den Markt. Klassische Operationen feiern ein Comeback, während Abnehmspritzen eine ganz neue Patientengruppe in die Praxen treiben.
Die ästhetische Medizin in Deutschland bleibt auf Wachstumskurs. Mit rund 464.000 Eingriffen jährlich gehört die Bundesrepublik zu den fünf Ländern weltweit mit den meisten ästhetisch-plastischen Behandlungen. Die aktuellen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zeichnen für 2025 ein differenziertes Bild: Während minimal-invasive Verfahren weiterhin den Markt dominieren, erleben klassische chirurgische Eingriffe ein deutliches Comeback.
Botox bleibt die Nummer 1 – aber die Karten werden neu gemischt
Botulinumbehandlungen führen auch 2025 mit 13,8 Prozent das Ranking der beliebtesten Eingriffe an. Auf Platz zwei folgen Oberlidstraffungen mit 12,8 Prozent, auf Platz drei Faltenunterspritzungen mit 10,5 Prozent. Auffällig: Die klassischen Filler-Behandlungen mit Hyaluronsäure verlieren leicht an Bedeutung. Experten führen das auf den wachsenden Wunsch nach natürlicheren Ergebnissen zurück – und auf die zunehmend kritische Berichterstattung über Hyaluronsäurepräparate.
Top 5 der ästhetischen Eingriffe in Deutschland 2025
| Platz | Eingriff | Anteil 2025 |
| 1 | Botulinumbehandlung (Botox) | 13,8 % |
| 2 | Oberlidstraffung | 12,8 % |
| 3 | Faltenunterspritzung (Filler) | 10,5 % |
| 4 | Gesichts- und Halslifting | 10,0 % |
| 5 | Fettabsaugung | 8,7 % |
Das Comeback der klassischen Operationen
Der vielleicht überraschendste Trend 2025: Klassische chirurgische Eingriffe gewinnen deutlich an Beliebtheit. Gesichts- und Halsliftings liegen mit 10 Prozent auf Platz vier – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Lidstraffungen, Facelifts und Körperstraffungen legen ebenfalls zu. Die Erklärung der Fachärzte: Patienten wünschen sich länger anhaltende Resultate statt regelmäßiger Auffrischungen mit Fillern und Botox.
Besonders die Weiterentwicklung der Operationstechniken treibt diesen Trend. Moderne Facelift-Verfahren wie das Deep Plane Facelift arbeiten an den tieferliegenden Gewebestrukturen und liefern natürlichere Ergebnisse als frühere Methoden, die vor allem die Haut strafften.
Der Ozempic-Effekt: Abnehmspritzen treiben Straffungs-OPs
Ein völlig neues Phänomen prägt die Branche: Der Boom der GLP-1-Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy schlägt sich erstmals klar in den Statistiken nieder. Patienten, die 20 Kilogramm und mehr in kurzer Zeit verloren haben, klagen über Hautüberschüsse und Volumenverluste – im Gesicht spricht man vom sogenannten „Ozempic Face“, am Körper vom „Ozempic Body“.
Laut einer internen Mitgliederbefragung der DGÄPC gaben 64,7 Prozent der Fachärzte an, dass vermehrt Patienten nach starkem Gewichtsverlust durch Abnehmspritzen in ihre Praxen kommen, um sich über Straffungsoperationen zu informieren. Dieser Trend dürfte sich 2026 weiter verstärken.
Intimchirurgie: Das letzte Tabu fällt
Ein weiterer bemerkenswerter Trend: Die Intimchirurgie verzeichnet den stärksten Zuwachs aller Bereiche. Mit 5,2 Prozent aller Eingriffe liegt sie deutlich über dem Vorjahreswert von 3,5 Prozent. Bei Frauen unter 30 Jahren sind es sogar 11,8 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Fachärzte betonen, dass es dabei in den meisten Fällen nicht um ästhetische Designwünsche geht, sondern um funktionelle Einschränkungen und ein verbessertes Körpergefühl.
Warnung: Steigende Fehlbehandlungen durch Beautyketten
Die DGÄPC schlägt Alarm: Während die Fehlbehandlungen durch Auslands-OPs nahezu konstant bleiben, steigen die Komplikationen nach Behandlungen in inländischen Beautyketten deutlich an. 5,4 Prozent der Befragten berichteten von Problemen nach einem Eingriff bei einer Beautykette – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 0,4 Prozent.
Die Fachgesellschaft kritisiert, dass in Beautyketten häufig Ärzte ohne Facharztausbildung und Erfahrung arbeiten. Erschreckend: Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen kennt nicht den Unterschied zwischen einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und selbsternannten „Beauty Docs“ mit Fantasietiteln.
Social Media: Einfluss auf Behandlungswünsche erreicht Höchstwert
Der Einfluss sozialer Medien auf ästhetische Behandlungswünsche hat 2025 einen neuen Höchstwert erreicht: 23,8 Prozent der Patienten unter 30 Jahren geben an, dass Social Media ihre Entscheidung beeinflusst hat. Die positive Nachricht: Gleichzeitig sprechen sich 63,8 Prozent der jungen Patienten für eine Kennzeichnungspflicht von digital bearbeitetem Bildmaterial aus.
Ausblick 2026: Wohin sich die Branche entwickelt
Für 2026 zeichnen sich mehrere Entwicklungen ab: Biostimulatoren und regenerative Verfahren gewinnen an Bedeutung – statt Volumen aufzufüllen, soll die körpereigene Kollagenproduktion angeregt werden. Lasertechnologien werden präziser und schonender. Und der Trend zur Ganzheitlichkeit setzt sich fort: Ästhetische Medizin wird zunehmend als Teil eines umfassenden Gesundheitskonzepts verstanden, nicht als isolierter Eingriff.
Gleichzeitig dürfte der regulatorische Druck steigen. Die drei großen Fachgesellschaften fordern seit Jahren einen gesetzlichen Facharztvorbehalt für ästhetische Eingriffe – bisher ohne Erfolg. Angesichts steigender Fehlbehandlungszahlen könnte sich das 2026 ändern.
Quelle: DGÄPC-Statistik 2025, veröffentlicht am 14. November 2025 auf der DGÄPC-Jahrestagung in Dresden.

